Ich bin seit 2019 auf den deutschen Golfplätzen unterwegs und mein Golf-Profi hat mich schon das ein oder andere Mal scherzhaft als Longhitter bezeichnet, um mich anzuspornen.
Da fragte ich mich, was eigentlich genau ein Longhitter ist und ob dafür ein angeborenes Talent erforderlich ist oder ob es etwas ist, das man erlernen kann.
Ein Longhitter (auch Longdriver) ist ein Golfer, der deutlich weitere Abschläge erzielt als der Durchschnittsspieler seiner Spielklasse. Mit dem Driver schlagen Longhitter typischnewrweise über 270 bis 300 Meter. Ab welcher genauen Distanz man als Longhitter gilt, hängt vom Handicap und Alter ab.
Longhitter auf dem Platz
Ein Longhitter hat nicht nur beim Abschlag eine größere Reichweite. Jeder Schlag, den er ausführt, wird weiter fliegen als bei einem durchschnittlichen Spieler.
Wie weit schlagen Longhitter mit dem Eisen?
| Schläger | Longhitter | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Eisen 9 | 140 m | 120 m |
| Eisen 8 | 155 m | 130 m |
| Eisen 7 | 170 m | 135 m |
| Eisen 6 | 185 m | 145 m |
| Eisen 5 | 200 m | 155 m |
| Eisen 4 | 215 m | 165 m |
| Eisen 3 | 230 m | 175 m |
Wie weit schlagen Longhitter mit den Hölzern?
| Schläger | Longhitter | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Holz 5 | 250 m | 175 m |
| Holz 3 | 270 m | 200 m |
| Holz 1 (Driver) | 300 m | 220 m |
Ab welcher Distanz gilt man als Longhitter? (nach Handicap)
Das ist die Frage, die sich viele stellen: Bin ich eigentlich schon ein Longhitter oder nicht? Die Antwort hängt weniger von einer fixen Meterzahl ab als vom eigenen Handicap.
| Handicap | Durchschnittliche Abschlagsweite | Longhitter ab… |
|---|---|---|
| HCP 5 oder besser | ca. 255 m | über 225 m |
| HCP 6 bis 10 | ca. 210 m | über 220 m |
| HCP 11 bis 19 | ca. 195 m | über 205 m |
| HCP 20 bis 29 | ca. 175 m | über 185 m |
| HCP 30+ | ca. 160 m | über 170 m |
Wer also bei einem Handicap von 20 konsequent über 185 Meter schlägt, ist in seiner Spielklasse ein Longhitter. Es geht immer darum, deutlich weiter zu schlagen als der Durchschnitt der eigenen Gruppe.

Sind Longhitter im Vorteil?
Diese Frage höre ich regelmäßig auf dem Platz. Die kurze Antwort: Ja, Longhitter sind im Vorteil. Aber nicht bedingungslos.
Wer weiter schlägt, kommt auf Par-5-Bahnen häufig in zwei Schlägen ans Grün. Damit steigt die Birdie-Chance deutlich. Auf langen Par-4-Bahnen landet der zweite Schlag aus einer viel kürzeren Distanz, was ein Wedge oder kurzes Eisen statt eines langen Eisens ermöglicht.
Das ist ein riesiger Unterschied, denn kurze Eisen sind deutlich einfacher zu kontrollieren.
Longhitter sind im Vorteil, wenn sie ihre Länge mit Genauigkeit kombinieren. Wer 300 Meter weit schlägt, aber regelmäßig im Rough landet, hat von der Weite kaum etwas. Profis, die nahe an die 300-Meter-Marke kommen, spielen deshalb meistens eine kontrollierte Variante ihres Drives und versuchen nicht bei jedem Schlag das Maximum herauszuholen.
Die Kombination aus Länge und Fairwaytreffer ist das, was wirklich zählt.
Bekannte Longhitter: Die besten der Welt
Es gibt einige Namen, die im Kontext Longhitter immer wieder fallen. Diese Spieler haben gezeigt, was mit der richtigen Kombination aus Technik, Athletik und Equipment möglich ist.
Mike Austin hält den offiziellen Turnier-Weltrekord für den längsten Abschlag: 471 Meter, geschlagen 1974 bei den US Senior Open. Der Ball flog bei leichtem Rückenwind 411 Meter und rollte anschließend noch 60 Meter weiter hinter das Grün.
Bryson DeChambeau ist das aktuell bekannteste Beispiel dafür, wie gezielte Körperarbeit und ein wissenschaftlicher Ansatz die Abschlagsweite auf Tour-Niveau verändern können. Er nutzt Messwerte wie Spin, Loft und Aufprallwinkel, um jeden Schlag zu optimieren.
Dustin Johnson gilt als Paradebeispiel dafür, wie Weite und Genauigkeit kombiniert werden können. Er trifft das Fairway deutlich häufiger als viele andere Longhitter auf der PGA Tour.
Martin Borgmeier ist der bekannteste deutsche Longhitter im professionellen Long-Drive-Bereich und nimmt regelmäßig an internationalen Wettbewerben teil.
Longhitter vs. Long Drive: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, meinen aber nicht exakt dasselbe.
Ein Longhitter ist ein Golfer, der im normalen Spielbetrieb deutlich weiter schlägt als der Durchschnitt. Der Begriff beschreibt eine Eigenschaft im regulären Spiel.
Ein Longdriver oder Long-Driver hingegen nimmt an der eigenständigen Wettkampf-Disziplin „Long Drive“ teil. Dabei geht es nicht darum, den Ball ins Loch zu spielen, sondern ausschließlich darum, den Ball so weit wie möglich zu schlagen. Es gibt eigene Turniere dafür, darunter die World Long Drive Championship.
Die Ausrüstung unterscheidet sich ebenfalls: Long-Drive-Profis nutzen Driver mit extrem niedrigem Loft von teilweise nur ein bis zwei Grad und Schaftlängen bis zum erlaubten Maximum von 48 Zoll. Alle Schläger und Bälle müssen trotzdem den R&A-Vorgaben entsprechen.
Wie werde ich zum Longhitter?
Besonders gut informiert zu diesem Thema ist Martin Borgmeier, ein deutscher Longhitter, der regelmäßig an Wettbewerben teilnimmt.
Wenn du einfach nur dein Handicap verbessern möchtest, habe ich dazu auch noch einen separaten Artikel geschrieben: Wie verbessere ich mein Handicap?
Technik für Longhitter
Was sind die Faktoren, welche den Ball länger fliegen lassen?
Schlägerkopfgeschwindigkeit
Eine höhere Geschwindigkeit im Schwung kann zu einer längeren Flugweite führen. Als Orientierung dienen diese Richtwerte:
| Spielertyp | Schlägerkopfgeschwindigkeit |
|---|---|
| Anfänger | ca. 120 bis 145 km/h |
| Amateur (Mittelfeld) | ca. 145 bis 175 km/h |
| Fortgeschrittener | ca. 175 bis 200 km/h |
| Profi / Longhitter | über 220 km/h |
Zum Vergleich: Sean Fister hält den Rekord für den schnellsten gemessenen Abschlag mit 241 km/h.
Ballgeschwindigkeit
Die Ballgeschwindigkeit ist das Resultat davon, wie gut der Ball getroffen wird. Idealerweise triffst du ihn mittig auf der Schlagfläche, also im sogenannten „Sweet Spot“.
Smash Factor
Der Smash Factor ist das Verhältnis aus Schlägerkopfgeschwindigkeit und Ballgeschwindigkeit.
Formel: Ballgeschwindigkeit / Schlägerkopfgeschwindigkeit = Smash Factor
Beispiel: Bei einer Schlägerkopfgeschwindigkeit von 100 mph und einer Ballabfluggeschwindigkeit von 140 mph ergibt sich ein Smash Factor von 1,4. Bei aktuellen zugelassenen Schlägern kann dieser Faktor maximal 1,5 betragen.
Angle of Attack
Für besonders weite Schläge sollte der Ball beim Schwung in einer aufwärts gerichteten Bewegung getroffen werden. Das nennt sich ein positiver Angle of Attack. Reguläre Golfer haben hier einen Winkel von 3 bis 4 Grad, während Longhitter eher bei 8 bis 12 Grad liegen.
Das sind die Faktoren, die du verbessern kannst, um konsequent längere Schläge zu erzielen.
Der richtige Driver für Longhitter
Das Equipment spielt eine größere Rolle als viele denken. Folgende Punkte solltest du bei der Driver-Wahl beachten, wenn Weite dein Ziel ist.
Schaft-Flex: Wer schnell schwingt, braucht einen steifen Schaft. Einen Stiff- oder X-Stiff-Schaft. Ein zu weicher Schaft gibt zu viel nach und kostet Ballgeschwindigkeit sowie Kontrolle.
Loft: Longhitter profitieren häufig von einem niedrigeren Loft zwischen 8,5 und 10 Grad. Wer langsamer schwingt, braucht dagegen eher mehr Loft, um den Ball überhaupt in die Luft zu bekommen.
Einstellbarkeit: Moderne einstellbare Driver erlauben es, den Loft und den Schwerpunkt individuell anzupassen. Das hilft dabei, den Angle of Attack und die Ballflugkurve auf den eigenen Schwung abzustimmen.
Wenn du gezielt an deiner Weite arbeitest, lohnt es sich, einen modernen einstellbaren Driver zu testen. Am besten mit einem Fitting, bei dem die Schlägerkopfgeschwindigkeit gemessen wird. Bei GolfHouse findest du eine große Auswahl:

Training für Longhitter
Es gibt spezifische Übungen, die dir helfen können, deinen Schwung zu verbessern. Wenn man sich Martin Borgmeier anschaut, merkt man, dass er auch ins Fitnessstudio geht und seine Muskeln trainiert, um einen schnelleren Schwung zu erreichen.
Ich habe einige interessante Übungen speziell für Golfer gefunden. Das Video zeigt Übungen zur Muskeldehnung. Muskeln können nicht nur größer, sondern auch länger werden, und die Länge ist entscheidend für weitere Schläge.
Generell ist es wichtig, außerhalb des Golfplatzes an seiner Gesamtfitness zu arbeiten, wenn es darum geht, längere Schläge zu erzielen. Der Golf-Profi kann einem nur die Technik vermitteln, aber nicht dafür sorgen, dass die Gesamtfitness auf einem guten Level bleibt.
Wenn du wirklich spürbar weiter schlagen willst, schau dir auch meinen Artikel zu den besten Übungen und Tipps für mehr Weite an. Da gehe ich gezielt auf Drills und Schwungmechanik ein.
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Wichtige Muskelgruppen für Longhitter
Durch das Training der Schulterweite kannst du vermeiden, dass die weit verbreiteten „Flying Elbows“ auftreten, und einen sichereren Schwung ausführen.
Die Schulterrotation zu trainieren ist ebenso wichtig, um während des Schwungs stabil zu bleiben, ohne dass die Körperhaltung zusammenbricht.
Das Schultertraining hilft dabei, die Schulter- und Nackenmuskulatur zu verlängern und gegen die „Chicken Wings“ beim Golfen anzugehen.
Schwungtechnik
Deine Schwungtechnik wirst du mit Sicherheit mit deinem Pro üben und verbessern, was zu besseren Schlägen führt. Zusätzlich kann ich auch einen Schwungtrainer für Zuhause empfehlen, den sogenannten „Hole-in-One Trainer“. Ich habe Profis danach gefragt und bisher fanden alle ihn sehr empfehlenswert. Wenn du Interesse hast, findest du ihn hier:
Mehr Tipps zum Schwung mit dem Driver und Eisen findest du auch hier: Tipps für deinen Schwung mit Driver und Eisen
Longhitter im Alter
Im Alter wird man nicht automatisch zu einem klassischen Longhitter. Allein durch den körperlichen Vorteil in jüngeren Jahren kann man im Alter nicht mehr in dieser Kategorie mithalten.
Dennoch können Personen in bestimmten Altersgruppen immer noch als Longhitter gelten. Die relevante Frage lautet: Schlägst du in deiner Altersklasse überdurchschnittlich weit?
| Altersgruppe | Longhitter ab… |
|---|---|
| Unter 30 Jahre | 215 m |
| 30 bis 40 Jahre | 207 m |
| 40 bis 50 Jahre | 200 m |
| 50 bis 60 Jahre | 190 m |
| Über 60 Jahre | 180 m |
Das zeigt: Auch wer mit 65 Jahren noch konsequent 180 Meter schlägt, darf sich zu Recht als Longhitter seiner Altersklasse bezeichnen.
Wenn dich das Thema Weite beim Golf interessiert, schau dir auch gerne meinen Artikel über den Driver an. Da erkläre ich, worauf du bei der Wahl des richtigen Schlägers achten solltest.
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